Sonntag, 15. April 2012

Komm, wir fahr'n nach Amsterdam...


Gestern war ich (mehr oder weniger) spontan in Amsterdam. Dank dem Europa-Sparpreis der Deutschen Bahn kann man von hier aus bequem mit dem ICE in zweieinhalb Stunden nach Amsterdam fahren, für knapp 70€ hin und zurück. Da können Auto und Flugzeug mal ausnahmsweise nicht mithalten...

Los ging es noch vor dem Aufstehen: Treffen mit der Reisebegleitung um 6:47 Uhr in der S-Bahn nach Düsseldorf *gähn* Leider ließ die Reiseplanung dann auch keine Zeit für einen Kaffee, weil wir gleich weiter mussten zum ICE. Im Zug dann via Duisburg, Oberhausen, Arnhem und Utrecht zweieinhalb Stunden Zeit, den Stadtführer noch mal zu sichten, um zumindest einen groben Plan zu haben, was wir unternehmen.

In Amsterdam angekommen war der erste Plan, einen Kaffee zu bekommen. Aus dem Bahnhof heraus war erst mal kein Kaffee in Sicht, also erst mal über den Damrak in Richtung Dam, wurden wir von der ersten Graswolke begrüßt. Passivkiffen ist in Amsterdam anscheinend unumgänglich. Wo es keinen Coffeeshop gibt, steht irgendwer mit ner Tüte in der Hand. Da hilft nur ertragen oder Luft anhalten...

Am Ende des Damrak stehen auf dem Dam der Koninklijk Paleis (Stadtpalast) und die Niuewe Kerk (Neue Kirche). Der heutige Platz "Dam" war früher ein Damm, der die Stadt an der Mündung der Amstel vor Sturmfluten aus der hinter der heutigen Centraal Station liegenden Zuiderzee, einer offen Bucht zur Nordsee, schützen sollte, und dem sie den Namen "Amsterdam", in ersten Erwähnungen "Amstelledamme, verdankt. Am Dam finden sich auch Madame Toussauds Wachsfigurenkabinett, und das Kaufhaus "De Bijenkorf" (der Bienenkorb), auch das "Harrod's der Niederlande" genannt. Da kann man alles kaufen - wenn man das nötige Kleingeld hat....

Über die Haupteinkaufsstraße, die Kalverstraat, ging es weiter. Direkt in der Nähe liegt der Begijnhof. Hier lebten ab Mitte des 12. Jahrhunderts alleinstehende Frauen in einer ordensähnlichen Gemeinschaft, ohne jedoch einem Orden anzugehören. Sie mussten zwar Keuschheit, Ehelosigkeit und Gehorsam geloben, konnten ihr Gelöbnis aber jederzeit zurücknehmen und das Konvent verlassen. Die Amsterdamer Beginen widmeten sich im Wesentlichen der Krankenpflege. Beginenhöfe bestanden aus mehreren Wohnhäusern, die um einen Innenhof gruppiert waren. Im Amsterdamer Beginenhof gab es neben der Marienkapelle, die nach der Reformation zur "Engelse Kerk", also Anglikanischen Kirche wurde, auch eine Schuilkerk, eine bis heute katholische Kapelle. Im Begijnhof steht außerdem das älteste Haus Amsterdams, Het Houten Huis.

Zurück auf der Kalverstraat musste ein Abstecher in Waterstones Bookstore (Kalverstraat 154, Ecke Spui) einfach sein. Waterstones ist eine britische Buchhandelskette, die hier eine Filiale über drei Etagen führt, in der massenweise englischsprachige Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Spiele zu haben sind. Leider bekommt man nicht jede englischsprachige Literatur auch immer hier, deswegen lohnt sich ein Abstecher in englische Buchläden immer.

Weil wir ja noch immer auf der Suche nach Kaffee waren, haben wir einen kurzen Zwischenstop bei Starbucks am Rembrandtplein (Utrechtsestraat 6) gemacht, danach ging es weiter zum eigentlich ersten festen Ziel des Tages, dem Hard Rock Café (Max Euweplein 57-61). Das musste einfach sein. Schon, um das Fake-Shirt, das ich bei meinem Klassenausflug 1998 (oder so) erstanden hatte, jetzt endlich durch ein richtiges auszutauschen ;) Damals gab es nämlich noch kein Hard Rock Café in Amsterdam, lediglich ein Planet Hollywood. das gibt's dafür jetzt nicht mehr.


Weiter ging es an den Grachten entlang, wieder zurück in Richtung Altstadt. Amsterdam ist von einem Grachtengürtel umgeben, bestehend aus Keizersgracht, Herengracht, Prinsengracht und Singel. An der Prinsengracht stehen auch das Anne Frank-Haus und -Mueseum. Das haben wir heute ausgelassen. Dafür haben wir uns die schönen Häuser an den Grachten entlang angeschaut, dort eine kurze Pause gemacht und dann den Blumenmarkt am Singel (zwischen Konigsplein und Muntplein) besucht.


Auf der gegenüberliegenden Seite zurück in Richtung Muntplein gibt es das Foltermuseum. Wir waren uns aber einig, dass ich da keine Inspiration mehr brauche, also haben wir das ausgelassen ;) Am Muntplein steht, als Überrest des dort früher stehenden Tores, der Regulierspoorten, der Munttoren (Münzturm), in dem zu früheren Zeiten Münzen geprägt wurden.

Weiter ging es in Richtung Altstadt (Oude Zijde) über den Nieuwmarkt mit der Waag, der städtischen Waage, in der früher Waren für den Zoll gewogen wurden. Direkt dahinter befindet sich um den Oudezijds Voorburgswal das Rotlichtviertel De Wallen und gleich nebenan, am Zeedijk, das Amsterdamer Chinatown. Hier sind sogar die Straßenschilder zweisprachig.


Mitten in de Wallen, das sich in der historischen Altstadt gebildet hat, finden sich auch einige Sehenswürdigkeiten: Ons' Lieve Heer op Solder (Museum AmstelkringOudezijds Voorburgwal 40) ist eine Schuilkerk, eine sogenannte "versteckte Kirche" von denen es nach der Reformation und dem Bildersturm in den Niederlanden einige gab. Nach der Reformation waren die Niederlande calvinistisch, andere Religionsgemeinschaften waren gedultet, durften aber nicht offen in Erscheinung treten. Deswegen wurden in Hinterhäusern und auf Dachböden Kirchen eingerichtet. Eine davon, "Ons' Lieve Heer op Solder" (Unser lieber Herr auf dem Dachboden) ist als Museum erhalten und kann besichtigt werden. Die Kirche wurde von einem deutschstämmigen Kaufmann über drei Etagen in den Dachgeschossen dreier verbundener Häuser eingerichtet, Galerien und eine Orgel eingebaut, und barocke Bilder und Stuck angebracht. Derzeit wird die Kirche renoviert und das Museum ausgebaut, ein Besuch lohnt sich aber auch jetzt schon. Die Kirche wurde gerade neu gestrichten, in der Farbe, die sie vor dem Ende ihrer Nutzung als Kirche hatte: ein Altrosa namens "Totenkopfviolett" (Caput mortuum). Das war übrigens auch die Farbe, die ich in meinem ehemaligen Arbeitszimmer hätte haben wollen - geworden ist es damals ja dann Erdbeerjoghurtrosa. Nun denn weiß ich's jetzt fürs nächste Mal....

Die Oude Kerk (Oudekerksplein 23) dürfte die einzige Kirche der Welt sein, deren Kirchplatz fast ausschließlich von Bordellen umgeben ist. Die Oude Kerk, das älteste noch erhaltene Bauwerk Amsterdams, war ursprünglich eine katholische Nikolauskirche, fiel mit der Reformation dem Bildersturm zum Opfer und wurde aller Kunstwerke und Schmuckstücke beraubt. Lediglich Deckengemälde, Buntglasfenster und die Orgel blieben erhalten. Ich persönlich finde es ein wenig erschreckend. Man kann zwar an der Bauart, den Säulen und Fenstern erkennen, dass es eine Kirche sein soll, dem Gebäude fehlt nun aber durch Schmuck und Kunstwerke jeder Geist, der es zur Kirche macht, es wirkt unfertig. Hier lässt sich sehr gut sehen, dass eine Kirche nicht durch Kreuz und Altar zur Kirche wird.


Dann ging es wieder weiter noch mal über den Dam, zum Niuwezijds Vorburgwal. Wenn man nun aber schon mal in den Niederlanden ist, muss man auch in nen Supermarkt gehen. Denn dort gibt es tolle Sachen, die man hier entweder gar nicht oder zu Mondpreisen bekommt. Angefangen von Marshmallow Fluff über 1.000 verschiedene Streuselsorten, Soßen, Sirups und amerikanischen Kram. Also kurzer Zwischenstopp bei Albert Heijn (Nieuwezijds Voorburgwal 226). Einen Großteil dessen, was man so unbedingt braucht, hab ich ja vor drei Wochen schon mitgebracht. Vergessen hatte ich Sandwich Spread, das wurde jetzt nachgeholt. Auch dieses Mal wieder schmerzlich vermisst: Joppiesaus :( hab ich schon in Emmen in keinem Supermarkt gefunden, jetzt schon wieder nicht. Gibts die nicht mehr?

 

Nach dem kurzen Shoppingstop ging es dann über die Spuistraat wieder in Richtung Grachtengürtel, diesmal in Richtung Norden. Dort befinden sich die "Neun Straßen", Nebenstraßen der Grachten, die zusammen ein Stadtviertel mit Geschäften, Bars und Restaurants bilden. Am nördlichen Ende der Insel zwischen Singel und Herengracht findet sich mit der Langestraat eine der ganz wenigen Innenstadtstraßen ohne Geschäfte und ohne Wasser. Eine einfache Straße, mit Häusern und Bäumen aber genau deswegen auffällig.


Weil wir noch Zeit hatten, ging es dann noch mal über den Nieuwendijk (mit kurzem Abstecher in den Body Shop) Richtung Dam, und dann durch die Oude Zijde über die Warmoesstraat zurück zum Bahnhof. Dort gab es dann für die Restwartezeit noch mal eine Caramel Macchiato bei Starbucks, und nach knapp 9 Stunden, 13 km und vielen Eindrücken dann müde in den ICE fallen.

Nach Hause gekommen bin ich dann auch mit zwei Tüten (natürlich Einkaufstüten!). In der einen: Das T-Shirt aus dem Hard Rock Café, in der anderen: Sandwich Spread von Albert Heijn, Chocomania Body Butter von The Bodyshop (die war nämlich im Body Shop auf dem Nieuwendijk (198, Ecke Gravenstraat) um die Hälfte reduziert, musste also mit), und ein Geburtstagsgeschenk, deswegen kann ich das hier nicht verraten.

Ich war zwar jetzt zum dritten Mal in Amsterdam, aber hab mehr davon gesehen als bei den Malen vorher. Da haben wir uns mangels Stadtplan immer nur entlang der Kalverstraat und des Damrak bewegt, um uns nicht zu verlaufen - einen Stadtplan dabeizuhaben, macht es deutlich leichter...

So, das war jetzt laaaang... Der nächste Beitrag wird wieder kürzer, versprochen.... :)
Hier noch eben für den Überblick die Google-Maps Karte mit den Punkten, wo wir gewesen sind:

Amsterdam auf einer größeren Karte anzeigen

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