Freitag, 24. August 2012

Leben retten kann so einfach sein... Teil 1: Blut- bzw. Blutplasmaspende

Heute wird es mal ein bisschen ernster und vor allem auch länger als sonst. Ich habe in der letzten Zeit einige Gespräche zu einem Thema geführt, das mir wirklich am Herzen liegt: In den Medien liest man in den letzten Monaten häufig von Organspende - erst ging es um die Diskussion, die in Deutschland viel zu niedrige Zahl der Organspender zu erhöhen. In den letzten Wochen geht es viel mehr darum, dass irgendwelche zwielichtigen Typen in Doktortiteln das in sie gesetzte Vertrauen missbraucht und Spenderorgane nach dem Geldbeutel des Empfängers statt nach dessen Gesundheitszustand verteilt haben.

Neben Organspende gibt es aber auch noch andere Wege, ganz einfach Leben zu retten. Das mag jetzt hochtrabend klingen, aber letztlich ist es das, was man tut: Man gibt etwas, das man leicht entbehren kann ab, und jemand, der es dringend zum Überleben braucht, bekommt es. Das funktioniert zu Lebzeiten mit Blut, Blutplasma und Stammzellen, aber auch unter bestimmten Bedingungen mit Organen. Für den Spender macht die Spende in der Regel keinen großen Aufwand, für den Empfänger bedeutet es unter Umständen die Entscheidung über Leben und Tod. Jeder kann plötzlich in die Situation kommen, eine Bluttransfusion, Stammzellen oder gar ein Organ eines anderen Menschen zu benötigen. Diese gibt es aber nur, wenn es genug Spender gibt!

Auf Basis der vergangenen Gespräche möchte ich jetzt einen kurzen Überblick geben, welche Möglichkeiten es gibt, wie sie funktionieren, und wo man weitere Infos bekommt. Eigentlich wollte ich dazu nur einen Beitrag schreiben, aber der wäre dann doch etwas lang geworden, ich habe ihn daher dreigeteilt. Heute geht es deswegen erst mal um die Blut- bzw. Blutplasmaspende. In zwei weiteren Beiträgen geht es dann um Knochenmark- und Stammzellenspende sowie Organ- und Gewebespende. Alle Beiträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe mich bemüht, die Informationen zu diesen komplexen Themen möglichst sinnvoll zusammenzufassen und persönliche Erfahrungen einzubringen (so weit ich sie habe). Weitergehende Informationen gibt es immer unter den angegebenen Links. Sollte ich bei der Zusammenfassung irgendwelche Fehler produziert haben, tut es mir leid (dann gebt mir auch bitte einen Hinweis!). Recht haben im Zweifel immer die Fachleute! ;) Nun aber zum Thema:

„Schenke Leben, spende Blut.“
Blut- bzw. Blutplasma- oder Thrombozytenspende
Gut die Hälfte des Blutes (55%) ist eine klare, gelbliche Flüssigkeit: das Plasma. Die restlichen 45% sind feste Bestandteile, die Blutzellen. Das Plasma selber besteht zu 91% aus Wasser. 9% sind Nährstoffe, Hormone, Mineralien und mindestens 120 verschiedene Eiweißstoffe (Proteine), die z.B. zur Blutgerinnung und Abwehr von Infektionen lebenswichtig sind. Bei Unfällen, großen Operationen oder auf Grund von Erkrankungen (z. B. bestimmte Krebsarten oder der Bluterkrankheit) kann es passieren, dass man zu viel Blut verliert, und der Körper es nicht aus eigener Kraft oder schnell genug ersetzen kann. Derzeit gibt es noch keinen adäquaten künstlichen Ersatz, so dass man dann darauf angewiesen ist, fremdes Blut oder Blutbestandteile zu bekommen, um den Verlust zu kompensieren. 

Blut oder Blutbestandteile spenden darf jeder, der mindestens 18 Jahre und bei der Erstspende nicht mehr als 60 Jahre alt ist und mehr als 50 kg wiegt. Man darf in den letzten 12 Stunden keinen Alkohol getrunken und innerhalb der letzten 4 Wochen keine Drogen konsumiert haben. Die letzte Tätowierung, das letzte Piercing und größere Operationen müssen mindestens vier Monate her sein. Vor der Spende sollte man mindestens 1,5 Liter getrunken und eine Kleinigkeit gegessen haben.

Bei der Vollblutspende wird etwa ein halber Liter Blut abgenommen. Bei der Plasmaspende wird dagegen das Blut vom Plasma getrennt und die Blutkörperchen anschließend zusammen mit etwas Kochsalzlösung (um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen) wieder zurückgegeben. Weil nur ein Teil des Blutes benötigt wird nur Flüssigkeit wieder aufgefüllt werden muss, ist eine Plasmaspende für den Körper nicht ganz so anstrengend. Plasma spenden kann man daher etwa wöchentlich.

Ähnlich verhält es sich bei der Thrombozytenspende. Auch hier werden durch einen sogenannten Zellseparator die Thrombozyten von den restlichen Blutbestandteilen getrennt und diese an den Spender zurückgegeben. Weil man auch hier nur einen Teil des Blutes abgibt, kann man etwa alle 14 Tage spenden.

Ich war selber etwa zwei Jahre lang regelmäßig beim Plasma spenden, inzwischen bin ich aus Zeit- und Weggründen zum Blutspenden übergegangen. Die Spende läuft bei allen Varianten ziemlich ähnlich und unkompliziert ab: Die Termine und Orte der Blutspende kann man der Internetseite des Blutspendedienstes entnehmen, außerdem stehen bei uns die Termine in der Zeitung und es hängen Plakate, beispielsweise in den Bussen.
  1. Am Spendenort meldet man sich zunächst mit seinem Personalausweis, und wenn man schon einen hat, mit dem Spenderausweis an der Registrierung an. Dort bekommt man einen Fragebogen ausgehändigt.
  2. im Fragebogen werden persönliche und medizinische Daten eingetragen, zum Beispiel wer der Hausarzt ist, ob man Allergien hat, Medikamente nimmt oder in der letzten Zeit im Ausland war. Es ist wichtig, den Bogen wahrheitsgemäß auszufüllen, weil bestimmte Erkrankungen Ausschlusskriterien für die Spende sind.
  3. als nächstes wird aus der Fingerkuppe oder dem Ohrläppchen ein Tropfen Blut zur Bestimmung des Hämoglobinwertes entnommen und die Körpertemperatur gemessen.
  4. Als nächstes wird bei einem Arztgespräch der Blutdruck festgestellt. Der Arzt geht den Fragebogen durch, beantwortet auch eventuelle Fragen zur Spende und bestätigt die Spendefähigkeit.
  5. Danach hat man bei der Blutspende noch die Möglichkeit, auf dem Fragebogen einen sogenannten "freiwilligen Selbstausschluss" zu vermerken, also das gespendete Blut von der Verwendung auszunehmen. Bei meinem Plasmaspendeinstitut war das nach der Spende auch noch durch einen Anruf möglich.
  6. Dann geht es zur Spende. Über eine Hohlnadel wird aus einer Vene in der linken oder rechten Armbeuge etwa ein halber Liter Blut (bzw. Plasma oder Erythrozyten) abgenommen. Bei der Vollblutspende dauert das etwa 10-15 Minuten, bei der Plasma- oder Erythrozytenspende 30-45 Minuten, weil das Blut von den benötigten Bestandteilen getrennt und dann wieder an den Spender zurückgegeben werden muss. Nach der Spende muss man noch etwa 10 Minuten liegen bleiben, um den Kreislauf nicht zu überfordern.
  7. nach der Spende geht man wieder zur Registrierung und bekommt dort (bei der unentgeltlichen Spende) ein kleines Dankeschön bzw. (bei der mit bezahlten Spende) die Aufwandsentschädigung ausbezahlt.
  8. bei der Blutspende bekommt man dann noch eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken
Das war's schon. Das ganze dauert für eine Vollblutspende etwa eine Stunde, bei Plasma- oder Erythrozytenspenden etwa anderthalb Stunden. Kein großer Aufwand eigentlich. Die Spende wird in jedem Fall auf ihre Eigenschaften (z.B. Blutgruppe und Rhesusfaktor) sowie verschiedene Antikörper untersucht. Sollte bei der Blutuntersuchung eine Auffälligkeit festgestellt werden, wird der Hausarzt informiert, um dann eine eingehende Untersuchung vorzunehmen. So bekommt man mit der Blutspende auch die Information über Blutgruppe und Rhesusfaktor, sofern man sie noch nicht kannte, und jedes Mal einen kostenlosen Gesundheitscheck.

Beim DRK bekommt man nach der Spende sogar eine Information, wenn alles in Ordnung ist. Außerdem bekommt man dort bekommt nach der ersten Spende auch einen Spenderausweis, auf dem Name und Geburtsdatum, die Spendernummer, sowie die Blutgruppe und der Rhesusfaktor.


Blut und Blutplasma spenden kann man Unikliniken und Krankenhäusern, beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes sowie bei kommunalen und privaten Blutspendediensten. Eine deutschlandweite Suche nach Spendenorten findet man hier.

Weitere Infos gibt es zum Beispiel hier: http://www.einfachlebenretten.de

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