Montag, 27. August 2012

Leben retten kann so einfach sein... Teil 2: Knochenmark- und Stammzellenspende

Ich hatte ja angekündigt, dass es jetzt eine kleine Reihe über Blut-, Stammzellen- und Organspende gibt. Im ersten Teil ging es um Blut- bzw. Blutplasmaspende, heute gehe ich einen Schritt weiter zur

Knochenmark- bzw. Stammzellenspende
Das Knochenmark ist im menschlichen Körper für die Blutbildung zuständig. Es findet sich bei Kindern in fast allen Knochen, bei Erwachsenen nur noch im Brustbein, den Rippen, in den Schädelknochen, den Schlüsselbeinen, den Wirbelkörpern, im Becken und den stammwärts gerichteten Enden von Oberarm- und Oberschenkelknochen.

Stammzellen, genauer gesagt Blutstammzellen, werden im Knochenmark gebildet. Sie sind in der Lage, verschiedene Zelltypen zu bilden, die Blutstammzellen eben Blut- und Abwehrzellen. Einige bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, wie zum Beispiel Leukämie, Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen), einigen Autoimmunerkrankungen oder nach einer Chemotherapie machen eine Stammzellenspende erforderlich. Die Spenderzellen ersetzen dann das erkrankte Immunsystem des Empfängers und bilden neue, gesunde Zellen.

Problematisch bei der Übertragung von Blutstammzellen ist, dass bestimmte Gewebemerkmale (HLA-Typen) übereinstimmen müssen. Diese gibt es in Millionen unterschiedlichen Kombinationen, und diese müssen bei Spender und Empfänger möglichst gut übereinstimmen. Je größer die Übereinstimmung, desto größer ist auch die Chance auf eine erfolgreiche Transplantation. Umgekehrt sinkt diese Chance, je unterschiedlicher die HLA-Typen sind. Die Suche nach einem passenden Spender gestaltet sich daher unter Umständen äußerst schwierig, wenn er nicht im eigenen Familienumfeld zu finden ist. Das ist leider nur bei einem kleinen Teil (ca. 30%) der Erkrankten der Fall. Alle anderen sind auf fremde Spender angewiesen.

Um Knochenmark- bzw. Stammzellspender zu werden, muss man sich bei einer der Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. Zu diesen Knochenmarkspenderdateien zählen unter anderem die Deutsche Knochenmarkspenderdatei in Tübingen und die Westdeutsche SpenderZentrale (WSZE) des Universitätsklinikum Essen und des DRK-Blutspendedienst West. Eine vollständige Liste aller angeschlossenen Dateien gibt es hier.

Typisierungsset der DKMS (Bild: DKMS)
Die Registrierung bzw. Typisierung ist leicht: Entweder man geht zu einer Typisierungsaktion oder einem Partnerstandort der Spenderdatei in der Nähe. Dort werden etwa zwei Esslöffel Blut abgenommen oder ein Schleimhautabstrich gemacht, von dem die Gewebedaten des Spenders bestimmt werden. Das Entnahmeset für die Speichelprobe kann nach einer Online-Registrierung auch per Post nach Hause geschickt werden. Die Gewebemerkmale werden zusammen mit dem persönlichen Daten (zur Kontaktaufnahme!) des Spenders bei der Spenderdatei gespeichert. Bei der DKMS bekommt der Spender nach der Registrierung auch eine Spendercard zugesandt (beim Schreiben dieses Artikels ist mir aufgefallen, dass ich meine verloren habe :( ).

Wenn man bereits in einer Datei erfasst ist, ist eine weitere Typisierung nicht mehr erforderlich. Die Daten aller potentiellen Spender laufen in einer zentralen Sammelstelle, dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD, Ulm), zusammen. Die großen Typisierungsaktionen werden meistens gar nicht von den Verbänden, sondern von Betroffenen oder Freunden der Betroffenen selbst organisiert. Die Verbände bieten dabei lediglich eine Unterstützung.

Um Spender zu werden, muss man 18 - 55 Jahre alt sein, in guter körperlicher Verfassung sein (mindestens 50kg, BMI unter 40), darf nicht an einer chronischen Erkrankung leiden oder einer Risikogruppe (Organtransplantierte Menschen, Suchtkranke) angehören (alle Kriterien hier). Mit der Typisierung ist aber noch niemand verpflichtet, auch tatsächlich zu spenden. Wenn festgestellt wird, dass es eine ausreichende Übereinstimmung mit einem Empfänger gibt, werden an Hand eines Gesundheitsfragebogens und einer wiederholten Typisierung noch einmal mögliche Ausschlusskriterien festgestellt. Erst dann und nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch mit einem Arzt gibt man sein schriftliches Einverständnis zur Spende.

Diese kann auf zwei Arten erfolgen: Zum Einen in einem ambulanten Verfahren, ähnlich der Dialyse oder wie bei der Plasmaspende, zum anderen als Knochenmarkspende in Vollnarkose, verbunden mit einem stationären Krankenhausaufenthalt.

In ca. 80 % der Fälle wird die Entnahme von Stammzellen ambulant durchgeführt. Dazu muss man sich einige Tage vor der Spende ein Medikament unter die Haut spritzen, das bewirkt, dass die Stammzellen  aus dem Knochenmark ins Blut gelangen. Am Tag der Spende werden zwei venöse Zugänge gelegt. Über den einen fließt das Blut in einen sogenannten Zellseparator. Dort werden die Stammzellen aus dem Blut gefiltert und das Blut wieder über den zweiten Zugang zurückgegeben. Dazu sind etwa vier Stunden Zeit erforderlich.

Bei der Knochenmarkentnahme ist eine Vollnarkose erforderlich. Dem Spender wird aus dem Beckenkamm etwa ein Liter Knochenmark entnommen. Dazu werden zwei kleine Schnitte gemacht, die schnell wieder verheilen. Man muss allerdings zur Beobachtung zwei bis drei Tage stationär im Krankenhaus bleiben.

Die entnommenen Stammzellen regenerieren sich innerhalb von etwa zwei Wochen wieder von selbst. Bei der ersten Entnahmemethode kann es zu grippeähnlichen Symptomen kommen, bei der zweiten können leichte Schmerzen wie bei einer Prellung entstehen.

Die Stammzellen werden dem Empfänger wie eine Infusion oder Bluttransfusion übertragen. Dazu müssen zunächst mit einer Chemotherapie alle eigenen Knochenmarkzellen des Empfängers zerstört werden. Nach ca. 10 Tagen beginnen die neuen Stammzellen mit der Produktion neuer Blutzellen.

Aktuelle DKMS-Spendercard (Bild: DKMS)

Mehr Informationen gibt es bei den Spenderdateien. Dass ich mehrheitlich auf die DKMS verwiesen habe, liegt einfach daran, dass deren Internetseite die für mich informativste und übersichtlichste zur Informationsgewinnung war. Die anderen Dateien machen aber dieselbe gute Arbeit!

Im dritten und letzten Teil geht es dann um Organ- und Gewebespenden.

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