Donnerstag, 30. August 2012

Leben retten kann so einfach sein... Teil 3: Organ- und Gewebespende

Nach den ersten beiden Teilen (Teil 1: Blut- und Blutplasmaspende, Teil 2: Knochenmark- und Stammzellenspende) geht es jetzt um

Organ- und Gewebespende
Das Thema Organ- und Gewebespende ist das schwierigste der drei Themen, nicht inhaltlich, sondern weil es emotional schwieriger ist. Ich werde versuchen, einfach sachlich zu bleiben.

Organspendeausweis
(Bild: BzGA)
Man kann und sollte sich schon zu Lebzeiten Gedanken darüber machen, was nach dem Tod mit den eigenen Organen geschehen soll. Mit dem neuen Transplantationsgesetz, das seit dem 1. August 2012 in Kraft ist (eine kurze Zusammenfassung der Änderungen gibt es hier), gibt es in Deutschland eine sogenannte "Entscheidungslösung": Ab dem 1. November 2012 wird jeder Bürger von seiner Krankenkasse befragt, ob und wie er sich hinsichtlich der Organspende entscheidet. Man kann seine Entscheidung dann auch jederzeit ändern. Das hat den Vorteil, dass man sich zumindest mal mit dem Thema auseinandersetzt. In anderen Ländern, z.B. Österreich oder Spanien, gibt es eine sogenannte "Widerspruchsregelung", nach der jeder Bürger erst einmal Organspender ist, bis er von selbst widerspricht. Das widerum hat den Vorteil, dass auch diejenigen, die sich damit einfach nicht auseinandersetzen (wollen), als Organspender zur Verfügung stehen.

Es gibt zwei Arten von Organspenden. Zum einen die Lebendspende, zum anderen die postmortale Spende, die nach dem Tod erfolgt.
Lebendspende bedeutet, dass Organe oder Teile von Organen von einem lebenden Spender an den Empfänger übertragen werden. In Deutschland können eine der beiden Nieren oder Teile der Leber für eine Lebendspende genutzt werden. Grundsätzlich können darüber hinaus auch Teile der Lungen, des Dünndarms und der Bauchspeicheldrüse gespendet werden. Lebendspenden dürfen nur dann erfolgen, wenn zum Zeitpunkt der Spende kein anderes Organ zur Verfügung steht. Außerdem dürfen Organe nur an nahe Verwandte, Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner und Verlobte bzw. "Andere Personen, die der Spenderin oder dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen" gespendet werden, um Organhandel zu verhindern.

Die postmortale Organspende, also die Organspende nach dem Tod, kann nur dann erfolgen, wenn auf Grund einer schweren Erkrankung oder eines Unfalles die Hirnfunktionen erloschen sind, die Kreislauffunktion aber auf einer Intensivstation noch künstlich erhalten wird. Außerdem müssen die zu entnehmenden Organe gesund und funktionsfähig sein. Gespendet werden können
  • Herz
  • Lunge
  • Leber
  • Nieren
  • Bauchspeicheldrüse
  • Darm
  • Teile der Haut
  • Hornhaut der Augen
  • Herzklappen
  • Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen
Wird bei einem Patienten trotz aller lebensrettenden Maßnahmen der Hirntod festgestellt, wird vom behandelnden Arzt oder dem Transplantationskoordinator ein Gespräch mit den Angehörigen geführt. Sollte der Patient keine Entscheidung getroffen oder dokumentiert haben, entscheiden die Angehörigen nach dessen mutmaßlichem Willen über die Organspende. Zwischenzeitlich wird bereits die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) als Koordinierungsstelle informiert. Liegt die Zustimmung zur Organspende vor, werden die Blutgruppe und Gewebemerkmale des Spenders ermittelt.

Erst während der Entnahmeoperation können die Ärzte entscheiden, ob ein Organ wirklich zur Transplantation geeignet ist. Sind die Organe entnommen, werden sie schnellstmöglich zu den Empfängern gebracht. Bereits während des Transportes wird der Empfänger auf die Transplantation vorbereitet, so dass diese direkt nach dem Eintreffen des Spenderorgans beginnen kann.

Bei Spiegel Online gibt es eine sehr gute Infografik darüber, welche Organe lebend oder postmortal gespendet werden können, wie sich die Organspende entwickelt und wie die regionale Spendebereitschaft in Deutschland ist.

In Deutschland warten derzeit rund 12.000 schwerkranke Menschen auf eine Organtransplantation, teilweise viele Jahre. Während dieser Wartezeit sterben täglich drei Menschen. (Quelle: BZgA)

Die Entscheidung - wie auch immer sie ausfällt - muss jeder für sich selbst treffen, wichtig ist aber, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, und diese auch in einem Organspendeausweis zu dokumentieren. Dort kann man nämlich auch die Organspende einschränken oder ganz ausschließen. Die Situation ist nach dem Tod für die Angehörigen schwer genug, und ich kann mir vorstellen, dass es darum auch Diskussionen geben kann, darüber, was der Verstorbene gewollt hätte. Nicht immer muss das dann aber auch das sein, was er wirklich gewollt hätte.

Meine Familie weiß Bescheid, wie ich zu dem Thema stehe und wie ich mich entschieden habe. Natürlich habe ich auch einen Organspendeausweis. Den gibt es kostenlos in Arztpraxen, Apotheken, oder auch direkt bei der BzGA. Neben der bisher üblichen Pappkarte gibt es inzwischen auch eine Plastikkarte, die ich mir jetzt auch bestellt habe. Mein bisheriger Ausweis hat nach elf Jahren inzwischen ganz schön gelitten... Auf dem iPhone habe ich auch eine digitale Version des Organspendeausweises hinterlegt (die App gibt es kostenlos für iOS und Android)

Wer sich weiter informieren will, findet bei den Aktionen
Organpaten und Von Mensch zu Mensch und außerdem auf den Infoseiten der BzGA gut aufgemachte und leicht verständliche Informationen.

Das war meine kleine Serie... Ist dann doch größer geworden als ich ursprünglich dachte, aber alle Themen sind ja doch recht komplex und nicht in drei Sätzen abzuhandeln.

Ich habe mich bemüht, alles so ausführlich wie nötig, aber so kurz wie möglich zu beschreiben und die Informationen von den entsprechenden Fachseiten zusammengetragen. Die Links dazu findet Ihr im jeweiligen Artikel. Sollte ich irgendwo einen Fehler gemacht haben, war das keine Absicht. Ein kleiner Hinweis wäre dann nett, dann kann ich es korrigieren :)

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