Dienstag, 8. Januar 2013

gelesen: Er ist wieder da

"Er ist wieder da" von Timur Vernes ist im vergangenen Herbst erschienen und wurde durch alle Medien, aber auch in verschiedenen Blogs und von meinen Kontakten bei Facebook und Twitter sehr gelobt:
Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere - im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und "Gefällt mir"-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes' Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte.
Lange wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, zumal die meisten hervorgehoben haben, wie extrem lustig dieses Buch ist. Darf man das? Darf man ein Buch über Hitler schreiben, das auch noch lustig ist? Okay, ich habs getestet und es mir selbst zu Weihnachten geschenkt (was übrigens ziemlich blöd gewesen wäre, wenn's mir nicht gefallen hätte...).

Gelandet in einer Welt, die seiner nur noch annähernd gleicht, schafft er es relativ schnell, sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen und sich wieder einzurichten. Stellt man sich zu der Schriftsprache die überlieferte Sprechweise vor (oder hört sie im Hörbuch), ist das Ganze geradezu absurd, etwa wenn er sich zunächst darüber echauffiert, dass er sich in der Drogerie selbst bedienen muss, dann aber erkennt, dass der Herr Rossmann eine geradezu geniale Idee hatte, Personal einzusparen - das natürlich an der Front viel dienlicher ist.

Hitler bringt es mit spielerischer Leichtigkeit fertig, das ganze Land um den Finger zu wickeln - indem er ausspricht, was alle denken. In Sachen Ideologie besteht freilich eine große Klippe - Hitler nimmt sich allzu ernst und bemerkt deswegen gar nicht, dass alle anderen ihn für einen guten Comedian halten. Trotzdem erwischt man sich als Leser gar nicht so selten dabei, wie man in Gedanken zustimmt.

Gleich zu Beginn musste ich sehr lachen, und das Lachen hat bis zum Ende angehalten. Die Situation ist einfach völlig abstrus, und man lacht nicht so sehr über Hitler, sondern mit ihm. Parallel dazu habe ich auch das Hörbuch gehört, gelesen von Christoph Maria Herbst, der Hitlers Duktus über das gesamte Buch beibehält und es dadurch noch absurder macht. Am Ende bleibt bei aller Komik ein bisschen Gänsehaut.

Dennoch (oder gerade deswegen) gebe ich fünf Sterne für "Er ist wieder da":


Gebundene Ausgabe (400 Seiten), Eichborn Verlag (September 2012)
ISBN: 978-3847905172
Kindle Edition 14,99€
Gebundene Ausgabe 19,33€
Audio CD, Audiobook 14,99€  

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