Dienstag, 30. April 2013

Mal wieder was mit Erster Hilfe und so...

Wer hier ab und zu mal liest, hat möglicherweise schon mitbekommen, dass zwei der Themen mit denen ich mich so beschäftige, der Rettungsdienst und Erste Hilfe sind.

In letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass beides im Allgemeinen größere Aufmerksamkeit genießt, was ja auch richtig und wichtig ist. Vor allem die Erste Hilfe ist ein Thema, das leider noch viel zu wenig in den Köpfen der Allgemeinheit verankert ist.

Viel zu wenigen Menschen ist klar, wie wichtig es ist, Erste Hilfe leisten zu können, und wie schnell man selbst in die Situation gerät, Hilfe zu benötigen. Dabei ist das alles kein Hexenwerk. Im Prinzip kann man kaum etwas falsch machen - außer gar nichts zu machen.

Paul hat deswegen auf seinem Blog "Alltag im Rettungsdienst" die Reihe "Erste Hilfe Geschichten" ins Leben gerufen, in der Leser über ihre Erlebnisse berichten. Vom Verkehrsunfall über den ausgerutschen Passanten, den Bürokollegen bis hin zum Bahnreisenden ist alles dabei. Und auch wenn der Blog so heißt, meisten Autoren der Erste Hilfe Geschichten sind eben keine professionellen Retter, haben aber einen wichtigen Beitrag in den jeweiligen Situationen geleistet, und so dem Betroffenen und auch dem Rettungsdienst geholfen.

Kennt Ihr alle die richtige Notrufnummer?
In ganz Europa sollte das die 112 sein. So weit, so gut. Leider ist sie das noch nicht überall: in der Schweiz z.B. ist es noch die 144, und manche deutschen Bundesländer (das Saarland z.B.) nutzen noch die 19222 mit Ortsvorwahl. Nichtsdestotrotz bekommt man in ganz Europa Hilfe, wenn man die 112 wählt! Hat man einmal die richtige Nummer gewählt, ist der nächste Knackpunkt der eigene Standort. Für den Rettungsdienst ist es wichtig, eine möglichst genaue Standortangabe zu bekommen, um so schnell wie möglich zum Patienten zu kommen. Dazu gehört auch, bei wem man klingeln muss, die Etage oder auch die richtige Straßenangabe. Wenn ich z.B. auf der Autobahn unterwegs bin, weiß ich zwar immer in welcher Richtung, aber nicht immer, auf welchem Streckenabschnitt ich bin. Dazu gibt es an Autobahnen und Landstraßen Leitpfosten, auf die Nummer der Straßen und den aktuellen Straßenkilometer markiert ist. Okay. Aber wenn ich jetzt mitten im Wald bin? Alle Handys können inzwischen über die Mobilfunkzelle geortet werden, in der sie sich befinden. Die kann unter Umständen ganz schön groß sein, besser ist eine Ortung über GPS, was ja auch schon mit vielen Handys möglich ist. Auf jeden Fall solltet Ihr aber jemanden zur Straße schicken, der dem Rettungsdienst den Weg zeigen kann, auch wenn ein Haus zum Beispiel nicht so leicht zu finden ist. Um das alles zu erleichtern, gibt es auch Apps, für Android-Smartphones z.B. die App "echo 112", mit der man automatisch die richtige Notrufnummer und den eigenen Standort angezeigt bekommt und diesen an den Notdienst übermittelt.

Im Notfall kann man vieles tun: Beim Herzstillstand beispielsweise ist das ganz einfach Prüfen. Rufen. Drücken. Mehr braucht es nicht. ABER: Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen, zu jeder Zeit. Der Betroffene wird sofort bewusstlos und atmet nicht mehr normal oder gar nicht mehr. Wenn nach einem Herzstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten eine Herzdruckmassage durchgeführt wird, dann ist ein Überleben unwahrscheinlich. Der Rettungsdienst kann aber fast nie innerhalb von fünf Minuten nach dem Herzstillstand direkt beim Betroffenen sein, vor allem nicht in ländlichen Bereichen. Deswegen kommt es auf die Umstehenden an: Angehörige, Kollegen, Freunde oder Passanten. Mit einfachsten Wiederbelebungsmaßnahmen durch Anwesende wird die Überlebenswahrscheinlichkeit verdreifacht! Auf 100.000 Einwohner kommen jedes Jahr rund 50 – 80 Fälle eines Herzstillstands. Gar nicht mal so wenige also... Die Wahrscheinlichkeit, dass man mindestens einmal im Leben in die Situation kommt, einem Menschen bei einem Herzstillstand das Leben retten zu können, ist sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Menschen gut zu kennen auch… es könnten Eltern sein, Lebenspartner, Kinder, Freunde oder Verwandte. Wie das geht, kann man sich hier ansehen:

Wisst Ihr, dass mittlerweile in vielen U-Bahn-Stationen, Bahnhöfen, Flughäfen, Banken und anderen öffentlichen Einrichtungen "AEDs" hängen? Und wisst Ihr, was man damit tut, und wie man sie benutzt? Alles kein Hexenwerk, aber wichtig, um im Fall des Falles Leben zu retten. Der AED unterstützt bei der Anwendung und ermöglicht bei Bedarf die Abgabe eines lebensrettenden Elektroschocks auf das Herz. Im folgenden Video berichten ein Ersthelfer und ein Patient von einem Vorfall in der Londoner U-Bahn. Der  Patient hätte ohne die schnelle Reaktion des Ersthelfers und den Einsatz des AEDs nicht überlebt.
Wie Ihr seht, kann man mit wenig Aufwand vieles bewirken, wichtig ist vor allem, überhaupt etwas zu tun. Oft ist es so, dass viele Leute dabei stehen und keiner etwas tut, weil sich keiner traut. Einer muss den ersten Schritt machen und die anderen einbeziehen: den Notruf abzusetzen, den Verbandkasten oder einen AED holen, den Verkehr warnen, eine Decke holen, es gibt vieles zu tun. Macht den ersten Schritt, denn jeder kann einmal selbst in der Situation sein, diese Hilfe zu benötigen. Und zu guter Letzt: Denkt bitte daran, wie und wo Ihr Eure Autos parkt. Wenn ein PKW noch durchkommt, reicht das nicht. Und das Parkverbot auf Straßenecken hat auch seinen Sinn. Welchen? Guck mal:
©Klaus Michels/EXPRESS Köln
Der blaue Kleinwagen rechts hat direkt auf einer Straßenecke geparkt. Mit dem Ergebnis, dass der Fahrer zwar einen kürzeren Weg zu laufen hatte, aber das erste Fahrzeug der Feuerwehr sieben Minuten benötigt hat, um um diese Ecke zu kommen, und die Drehleiter überhaupt nicht um die Ecke kam. Bei einem Wohnungsbrand kann das Menschenleben kosten! 
Hier bei mir vor der Tür kann ich es oft beobachten, dass Autos direkt auf der Straßenecke, vor oder hinter einer Fußgängerinsel oder neben einem in die Straße gebauten Fußgängerüberweg (so 'ne Halbinsel, Ihr wisst, was ich meine?) geparkt werden. Das macht es den Fahrern der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes unnötig schwer und kostet wichtige Zeit. Auch ein Rettungswagen ist zwar kürzer, aber nicht erheblich schmaler als so ein Feuerwehrauto. Diese Fahrzeuge benötigen 3 m Platz, um sicher und zügig vorbeizukommen. Denkt bitte daran, wenn Ihr das nächste Mal einen heimatnahen Parkplatz sucht, oder "mal eben" was abgeben wollt und dann doch 20 Minuten da bleibt...
Wer noch sechs Minuten Zeit hat, kann sich das Problem auch im Bericht der WDR Lokalzeit vom 28.4.2013 oder das folgende Video (2:42 Min.) zum Artikel des Kölner Stadtanzeigers ansehen:

Kommentare:

  1. Danke erst mal, für die Werbung :) Mir ist ein kleiner Fehler aufgefallen ( 19292) es muss aber 19222 die heißen.

    LG Paul

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  2. Oh, Du hast Recht. Habs dann mal korrigiert, danke :) ...dass das auch echt noch keinem aufgefallen ist... O.o

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