Freitag, 7. Februar 2014

Die ticken doch nicht sauber...

...hab ich diese Woche glatt zwei Mal gedacht.

Zum Einen berichtete der Bestatterweblog schon seit einiger Zeit über einen Ärger mit einem Fotografen, der den Inhaber wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung abgemahnt hatte. Und das nicht etwa, weil dort Bilder ohne Nachweis verwendet wurden, ganz im Gegenteil. Im Bestatterweblog wurden hauptsächlich Bilder von Pixelio verwendet, die ich auch oft nutze. Dabei immer peinlich genau darauf geachtet, unter jedem Bild den von Pixelio geforderten Nachweis einzutragen. Laut Pixelio-AGB geht das entweder unter dem Bild oder auch am Ende der Seite.

Besagter Fotograf hat aber die Möglichkeit genutzt, das auf der Seite eingebundene Bild per Rechtsklick einzeln zu öffnen. Diese Funktion gibt es, damit man sich das Bild ohne störendes Umfeld angucken oder sogar vergrößern kann, wenn man will. Dort gibt es dann halt auch keine Bildunterschrift mehr. Und genau das hat der Fotograf zum Anlass genommen, den Betreiber des Bestatterweblogs abzumahnen. Wohlgemerkt, nachdem er die Lizenzbestimmungen von Pixelio anerkannt und das Bild unter diesen Bedingungen zur Verfügung gestellt hat... Abmahnung hin oder her, eigentlich kommt man mit gesundem Menschenvertand darauf, dass es technisch gar nicht anders geht - es sei denn, man bindet den Namen des Fotografen direkt in das Bild ein, was in den meisten Fällen zu einer unzulässigen Veränderung des Bildes führt. Und damit zu einem weiteren Urheberrechtsverstoß. An und für sich hätte ich gar nicht mal gedacht, dass man damit durchkommen kann.

Jetzt hat aber das in Internetfragen bekanntermaßen äußerst kompetente Landgericht Köln (wir erinnern uns an die Redtube-Geschichte) entschieden, dass genau dieser Einzellink eine erneute Veröffentlichung darstellt und also mit einem Urheberrechtsvermerk versehen werden muss. Dieses Urteil findet nicht nur die gesammelte Netzgemeinde merkwürdig, sondern auch Pixelio selbst. Die haben dazu schon Stellung genommen und werden sich am inzwischen eingeleiteten Berufungsverfahren auf Seiten der Beklagten beteiligen. [Interessanterweise hält sich die Onlineredaktion des LG Köln auch nicht an dieses Urteil...] Ich bin gespannt, was da noch bei rumkommt. Erst mal wird das Urteil, auch wenn es wegen der rechtzeitig eingelegten Berufung nicht rechtskräftig wird, Beispielcharakter haben....

Seit einger Zeit versuche ich auch, weitestgehend auf Bilder von Pixelio etc. zu verzichten. Aber das Urteil trifft jede Seite, die jemals Bilder von dort verwendet hat und öffnet raffgierigen Abmahnern wieder Tür und Tor... benutze lieber Bilder, die unter einer Creative Commons-Lizenz stehen. Dazu gibt es mit ccsearch sogar eine eigene Suchhilfe, die die Ergebnisse verschiedener Suchen zusammenstellt.

Mein persönlicher Aufreger Nr. 2 diese Woche war die GEMA. Diese Helden haben ja erst bewirkt, dass viele (sogar sehr viele - fast 62% der meistgeklickten Youtube-Videos, siehe unten...) in Deutschland gar nicht erst gezeigt werden, weil die GEMA meint, dafür pro Klick kassieren zu wollen. Youtube sieht das verständlicherweise nicht ein und schaltet vorsorglich mal das uns allzugut bekannte Bild:
Quelle: eigener Screenshot (CC BY-NC-SA 4.0)
Dagegen hat die GEMA jetzt Unterlassungsklage eingereicht. Das ist mir fast noch egal. Was mir dagegen nicht egal ist, ist folgendes: Die GEMA will für eingebettete Youtube-Videos Gebühren verlangen. Das bedeutet zum Einen, dass die GEMA eines der Grundprinzipien Sozialer Medien ad absurdum führt, denn genau das Teilen ist ja eben auch eine der Ideen bei Youtube. Lädt man dort ein Video hoch, erkennt man die Nutzungsbedingungen an, die eben auch besagen, dass Youtube-Nutzer die Videos ansehen, teilen, und eben auch einbetten dürfen. Das würde bedeuten, dass die GEMA also nicht nur für den Klick bei Youtube kassiert, sondern auch von Seitenbetreibern (oder Bloggern), die Videos einbinden, und sie nicht nur verlinken. Diese brilliante Idee kam der GEMA und vor ihr der österreichischen Verwertungsgesellschaft im Rahmen der Novellierung des EU-Urheberrechtsgesetzes. In diesem Zusammenhang können noch Vorschläge an die Kommision unterbreitet werden, und einer dieser Vorschläge ist eben der eben genannte.

Jedenfalls möchte es die GEMA gerne so haben, dass die urheberrechtlich geschützten Werke, die bei Youtube veröffentlicht und beispielsweise hier eingebettet werden, bezahlt werden. Weil ich beim Einbetten ja nicht klarmache, dass das eingebettete Video nicht mein eigenes Werk, sondern lediglich ein Verweis auf eine andere Seite darstellt. Zum einen geht die GEMA dabei davon aus, dass erst mal jeder Komponist und Künstler von ihr vertreten wird und sie die Verwertungsrechte hält. Zum anderen kassiert sie dabei doppelt: einmal von Youtube und einmal von mir. Um dann das kassierte Geld nicht etwa an die Künstler weiterzugeben, sondern erst mal in die eigene Verwaltung und dann an die Musikverlage. Und eben nicht an die Künstler selbst. Die zahlen sogar noch dafür, ihre eigene Musik aufführen zu dürfen, ohne dann eine entsprechend hohe Auszahlung zu bekommen. Hab ich keine Lust drauf.

Irgendwie machen es mir diese beiden Punkte schwer, daran zu glauben, dass das Internet wirklich noch "world wide" ist. Zumindest in Deutschland nicht. Denn da sitzen immer wieder irgendwelche Menschen, die Deutschland vom Rest des weltweiten Netzes absperren. Seien es die GEMA, irgendwelche anachronistischen Richter, oder aber auch die Ministerien auf Landes- und Bundesebene. ..

Unterstützt durch MyVideo. Realisiert von OpenDataCity. Anwendung steht unter CC-BY 3.0.

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