Mittwoch, 14. Januar 2015

Warum tun wir uns das eigentlich an?

Die Frage stelle ich mir derzeit öfter mal.

Zum Einen dann, wenn das Glückskind wieder arges Bauchweh hat und den ganzen Tag schreit. Aber gut, ich kann mich kaum beklagen, nachts haben wir alle Ruhe vor den fiesen Koliken, und es gibt Kinder, die aus irgendwelchen, zumeist unerfindlichen Gründen, noch mehr schreien. Dennoch ist so ein untröstliches und schmerzhaftes Babygeschrei ganz schön zermürbend. Und Schlafmangel, weil das Kind alle paar Stunden Hunger bekommt, macht es dann nicht besser. Dafür hat aber die Natur ja die Hormone erfunden. Geiles Zeug! Das lässt einen alles gleich wieder vergessen. Ehrlich! Ohne Serotonin und Oxytocin wäre die Menschheit wohl längst ausgestorben. (Das sollte man vielleicht mal montags in Dresden vernebeln...)

Aber ein anderes Thema lässt mich viel öfter den Kopf schütteln. Ich bin gerade erst seit 8 Wochen Mutter, und schon geht es mir dermaßen auf den Sender, dass alle Welt der Meinung zu sein scheint, Kinder haben sei ein Wettbewerb. Das fängt damit an, dass man sich permanent solchen Fragen ausgesetzt sieht wie "schläft er denn schon durch? Ja also XY hat ja schon mit x Wochen durchgeschlafen" - und das von Leuten, deren Kinder schon erwachsen sind. Sorry, aber wenn das hier ein Wettbewerb wäre, wäre XY sowieso schon raus. Aber: Das ist kein Wettbewerb! Wenn das Glücksind durchschläft (aktuell tut es das, ich bin darüber sehr sehr glücklich, aber ich glaube nicht, dass das von Dauer ist), ist das weder mein Verdienst noch eine besondere Leistung des Kindes, sondern eine glückliche Fügung seiner Entwicklung. Ich freue mich über jeden Entwicklungsschritt, den mein Kind macht, genau wie vermutlich alle Eltern das tun. Aber das heißt doch nicht, dass ich das Kind mit anderen vergleichen und damit das Kind und mich irgendwie unter Druck setzen muss. Am Ende führt das doch nur dazu, dass die Kinder Sprachtraining über sich ergehen lassen müssen, kaum dass sie feste Nahrung zu sich nehmen, nur damit Mama auf dem Spielplatz sagen kann, dass das Kind mit knapp einem Jahr schon ganze Sätze sagt. Und was haben wir davon? Klar will jeder nur das beste für seine Kinder, aber am Ende bekommt doch keiner den besseren Job, weil im Lebenslauf steht: "erster ganzer Satz mit 8 Monaten".

Das einzige, wozu das führt, ist doch, dass wir uns mit diesen ewigen Vergleichen selbst und vor allem die Kinder unter Druck setzen. Und das an anderen auslassen. Sehr schön zu beobachten ist sowas in Elternforen oder den Kommentarbereichen von Familienblogs. Dort kann man sehr schön beobachten, wie unzählige (zumeist Mütter) ihren eigenen Erziehungsstil vor sich selbst rechtfertigen, indem sie den anderer schlecht machen. Dabei gibt es nur wenige Dinge, über die man nicht geteilter Meinung sein kann, aber auch das berechtigt niemanden, sich gegenseitig zu schlecht zu reden oder gar zu beleidigen. Wichtig ist doch, dass es Eltern und Kindern damit gut geht, wie sie es machen, ohne dass dabei ein Kind zu Schaden kommt. Und das kann je nach Familie höchst unterschiedlich sein. Nur: sich selbst und daraus resultierend auch das Kind und unter Druck zu setzen oder setzen zu lassen hilft dabei niemandem.

Ich habe dazu ganz ehrlich keine Lust. Es gibt einige wenige Themen, zu denen ich eine ganz klare Meinung habe, und über die ich auch zu diskutieren bereit bin (falls es jemand wissen will: Impfen ist zum Beispiel so eines - weil das eben keine Privatsache ist), aber ansonsten darf meinetwegen jeder selbst entscheiden, wie er mit seinen Kindern umgeht. Das kann ich mir angucken und dann für mich meine Schlüsse ziehen, Dinge übernehmen oder eben genau anders machen, aber es steht mir nicht zu, das zu bewerten, es sei denn, ich werde danach gefragt. Und dass jemand über seine Familie bloggt ist zwar immer eine Einladung zum Kommentar (es sei denn, die sind abgeschaltet), aber nicht zu einer Bewertung, und schon gar nicht dazu, denjenigen persönlich anzugreifen. Einfacher und nervenschonender für alle Beteiligten wäre es, einen Blog nicht mehr zu lesen, wenn mir nicht passt, was der Blogger schreibt. Wenn das das Verhalten ist, das wir unseren Kindern vorleben, macht mir das wirklich Sorgen.

Eltern sein ist kein Wettbewerb. Kind sein auch nicht. Und wenn man mal genau hinguckt, ist den Kindern auch ziemlich egal, ob ihre Spielkameraden drei Wochen früher sprechen konnten als sie selbst. Da kommt es auf andere Dinge an. Insofern bin ich ganz entspannt, dass mein Glückskind schon seinen Weg findet, ohne dass ich es unter Druck setze. Wie so viele andere Kinder vor ihm und mit ihm auch. Und deswegen wäre es doch viel schöner, wenn die Eltern sich gegenseitig bestärken würden in dem was sie tun, statt sich fertig zu machen.

Alles Liebe ♥︎

Kommentare:

  1. Amen!

    Und leider geht das weiter. Es gibt Mütter, die können Dir genau sagen, was nicht nur das eigene Kind in der Klassenarbeit hatte, sondern auch XY und natürlich den Durchschnitt wissen sie auch. Ich frage die Kids danach, wenn sie mir von der Rückgabe der Arbeit erzählen und habe Note und Durchschnitt meistens schon zwei Minuten später wieder vergessen. Es sei denn es ist eine krasse Note. Der erste Lateintest von der Miss war z.B. eine 6, das werde ich nie vergessen... ;)

    LG

    AntwortenLöschen
  2. So kenne ich das von meinen Eltern auch. Was interessiert mich denn, ob XY besser oder schlechter ist als mein Kind? Da kann ich mir doch auch nix von kaufen...

    AntwortenLöschen
  3. So siehts aus. Aber das sind diese Helikoptereltern. Und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass WIR nicht dazu gehören. ;)

    LG

    AntwortenLöschen
  4. Dann mach einfach nicht mit ;)

    Jedes Kind ist individuell. Die einen schlafen gut, die andern nicht, die bewegen sich dafür besser oder essen früher. Ist meines Erachtens Glück/Zufall/Vererbung, doch im Grunde genommen egal. Ich möchte ein glückliches Kind, das Spaß am Leben hat, ob es nun mit viereinhalb Kopfrechnen kann oder auch nicht.

    Mich nervt die Vergleicherei und Diskussion über Erziehungsstile sehr.
    Deshalb hatte ich mir von Anfang an vorgenommen, mich da nicht zu involvieren. Ich meine, es gelingt mir gut. Wichtig dabei finde ich, dass man selbst nicht allzu oft über sein eigenes Kind spricht und andere Kinder/ Mütter bewusst lobt, wenn etwas gut läuft.

    Zudem ist alles relativ. Paradebeispiel "Durchschlafen": Hakt man aus Interesse nach, stellt sich heraus, dass die Durchschläferin um 1.30h morgens die letzte Flasche bekommt und dann um 7.30h bereits die nächste...;)

    AntwortenLöschen